Wer einen Neubau plant, hat beim Thema Küche eine einmalige Chance: Alle Leitungen, Anschlüsse und Installationen können exakt dort gesetzt werden, wo die Küche später tatsächlich stehen soll – ohne Kompromisse, ohne nachträgliche Schlitze und ohne teure Umbauten. Doch genau diese Freiheit ist zugleich eine Verantwortung. Küchenplanung im Neubau bedeutet, elektrische Versorgung, Wasseranschlüsse und Beleuchtungskonzept aufeinander abzustimmen, bevor der erste Estrich gegossen wird. Wer diese Phase unterschätzt, zahlt später oft das Doppelte.

Planung in der richtigen Reihenfolge: Was vor der Küche kommt

Ein häufiger Fehler ist es, die Kücheneinrichtung zu kaufen, bevor die Haustechnik fixiert ist. Die richtige Reihenfolge dreht das um: Erst kommt das Grundrisskonzept mit Raumgröße und Fensterposition, dann die grobe Küchenplanung (L-Form, Insel, Galley-Küche o. ä.), und erst danach werden die genauen Positionen für Steckdosen, Wasser und Licht festgelegt.

Am besten arbeiten Elektroinstallateur, Sanitärinstallateur und Küchenplaner – idealerweise auch der Architekt – gemeinsam an einem Installationsplan. Dieser Plan zeigt maßstabsgetreu, wo jedes Gerät später stehen wird. So wird sichergestellt, dass der Geschirrspüleranschluss nicht unter dem Herd landet und die Dunstabzugshaube genug Strom bekommt.

  • Grundriss und Möbelplanung vor der Haustechnik festlegen
  • Installationsplan mit allen Fachgewerken abstimmen
  • Schnittstellen frühzeitig dokumentieren (Rohbaumaß vs. Fertigmaß)
  • Nachtragsrisiken durch frühes Einfrieren der Planung minimieren

Strom in der Küche: Wie viele Stromkreise braucht man wirklich?

Die Küche ist der stromhungrigste Raum im Haus. Herd, Backofen, Spülmaschine, Kühlschrank, Mikrowelle, Kaffeevollautomat und Dunstabzug laufen oft gleichzeitig. Eine einzige Leitung – wie früher üblich – reicht hier nicht ansatzweise aus.

Eigene Stromkreise für Großgeräte

Herd und Backofen benötigen einen eigenen Starkstromanschluss (400 V / 32 A), sofern sie nicht ausdrücklich als 230-V-Gerät ausgewiesen sind. Auch Geschirrspüler und Kühlschrank sollten je einen separaten Stromkreis erhalten, damit ein ausgelöster Sicherungsautomat nicht gleich mehrere Geräte stilllegt. Im Fall des Kühlschranks ist das auch aus lebensmittelhygienischen Gründen wichtig.

Eine Induktionskochfeld-Kombination mit integriertem Backofen zieht bis zu 11 kW Spitzenleistung. Das erfordert eine entsprechende Absicherung und die richtige Leitungsquerschnitte – in der Regel 6 mm² für den Herd-Stromkreis. Wer das im Rohbau nachrüsten möchte, muss Wände öffnen und Zuleitungen ersetzen – ein Aufwand, der sich im fünfstelligen Bereich bewegen kann.

Steckdosen: Anzahl und Position

Die DIN VDE 0100-700 gibt keine verbindliche Mindestzahl für Kochstellensteckdosen vor, aber erfahrene Elektroinstallateure empfehlen mindestens sechs bis acht Steckdosen über der Arbeitsfläche, verteilt auf mehrere Stromkreise. Dazu kommen verdeckte Anschlüsse für fest eingebaute Geräte.

Folgende Positionen haben sich in der Praxis bewährt:

  • Spritzwassergeschützte Steckdosen (IP44) über Arbeitsflächen in der Nähe der Spüle
  • Doppelsteckdosen auf Arbeitshöhe (85–90 cm) im Abstand von etwa 60 cm
  • Separate Steckdose hinter dem Kühlschrank, hinter der Spülmaschine und hinter dem Herd
  • USB- oder USB-C-Steckdosen an zentralen Stellplätzen (Kücheninsel, Frühstückstheke)
  • Steckdose im Sockelbereich für Bodenstaubsauger oder Ladeboxen

Eine häufig vergessene Position ist der Innenseite von Hängeschränken: Eine dort versteckte Steckdose ermöglicht diskrete Ladestationen für Tablets oder kabellose Küchengeräte.

FI-Schutzschalter und Überspannungsschutz

Im Küchenbereich schreibt die aktuelle Norm für alle Steckdosen bis 20 A zwingend einen Fehlerstromschutzschalter (RCD, Typ A) vor. Planen Sie ergänzend einen Überspannungsableiter im Hausverteiler ein – gerade bei Geräten mit empfindlicher Elektronik wie Induktionsherden oder vernetzten Küchengeräten ist das keine Kür, sondern Pflicht.

Wasser und Abwasser: Wo genau müssen die Anschlüsse sitzen?

Wasseranschlüsse lassen sich nach der Rohbauphase kaum noch verschieben, ohne erheblichen Aufwand zu betreiben. Deshalb müssen die genauen Positionen von Spüle, Spülmaschine und eventuell einem Dampfgarer oder Kochendwassergerät im Millimeterbereich geplant werden.

Spüle und Geschirrspüler

Der Wasseranschluss für die Spüle liegt idealerweise unter dem Spülenschrank, mittig hinter dem geplanten Spülbecken. Der Kalt- und Warmwasseranschluss wird als Unterputzinstallation ausgeführt, die Anschlüsse enden mit Eckventilen. Der Abwasseranschluss (DN 50) wird in der Wand oder im Boden geführt und mündet in den Hauskanal.

Der Geschirrspüler braucht einen eigenen Kaltwasseranschluss und einen Abwasseranschluss. Beide Anschlüsse sitzen seitlich neben oder unter der Maschine – je nach geplantem Einbauort. Wer einen vollintegrierten Geschirrspüler plant, muss darauf achten, dass die Leitungen hinter der Blende unsichtbar geführt werden können.

Tipp: Planen Sie schon jetzt eine zweite Kaltwasserleitung an der Kücheninsel oder dem Fenster ein, auch wenn dort im Moment keine Spüle geplant ist. Die spätere Nachrüstung kostet ein Vielfaches.

Sonderlösungen: Kochendwassergeräte und Filterwasser

Kochendwassergeräte (z. B. 100-°C-Wasserhähne) benötigen neben dem Wasseranschluss auch eine nahe 230-V-Steckdose im Unterschrank. Filterwassersysteme brauchen zusätzlich eine separate Abwasserleitung für die Spülung der Filtermembran. Beide Systeme sollten vor der Rohbauabnahme im Plan stehen.

Schmutzwasser und Geruchsverschlüsse

Die Fallhöhe zwischen Siphon und Anschluss im Wandkanal muss ausreichen, damit das Schmutzwasser sicher abläuft und kein Rückstau entsteht. Mindestens 3 % Gefälle sind bei waagerecht geführten Abwasserleitungen einzuhalten. Falsch ausgeführte Abwasserführungen sind eine der häufigsten Ursachen für Geruchsprobleme in der Küche – und lassen sich im Fertigzustand kaum korrigieren.

Dunstabzug: Abluft oder Umluft, und was das für die Planung bedeutet

Der Dunstabzug ist eines der am häufigsten unterschätzten Elemente in der Küchenplanung. Wer im Rohbau keinen Abluftkanal vorsieht, ist später auf Umluftbetrieb angewiesen – mit geringerer Leistung und dem Nachteil, dass Feuchtigkeit im Raum verbleibt.

Ein Abluftkanal muss im Rohbau geplant und gebaut werden. Er führt in der Regel durch die Außenwand oder durch die Decke ins Dach. Der Innendurchmesser sollte mindestens 150 mm betragen, besser 200 mm, um Strömungsgeräusche zu minimieren. Wichtig: Der Kanal muss von innen zugänglich bleiben, damit Fett-Ablagerungen gereinigt werden können.

Wenn eine Kücheninsel mit Dunstabzugshaube geplant wird, muss der Abluftkanal durch die Decke geführt werden. Das erfordert enge Abstimmung mit der Tragwerksplanung, denn Deckenöffnungen in einem Massivbau sind kein Bagatelleingriff.

Beleuchtung in der Küche: Licht ist nicht gleich Licht

Küchenbeleuchtung hat mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie sorgt für ausreichende Helligkeit beim Schneiden und Kochen, schafft Atmosphäre beim Essen und unterstützt die Orientierung bei Nacht. Ein einziger Deckenspot in der Mitte des Raumes erfüllt keine dieser Funktionen wirklich gut.

Die drei Lichtebenen für die Küche

Professionelle Lichtplanung unterscheidet drei Ebenen, die in der Küche zusammenwirken:

  1. Grundlicht: Gleichmäßige Allgemeinbeleuchtung, meist als Deckeneinbaustrahler oder lineare LED-Profile. Sorgt für Orientierung und verhindert störende Schatten.
  2. Arbeitsplatzbeleuchtung: Gerichtetes Licht direkt über der Arbeitsfläche – als Unterbaulichter unter Hängeschränken oder als LED-Streifen. Hier werden 500 Lux empfohlen.
  3. Akzentlicht: Indirekte Beleuchtung innerhalb von Glasvitrinen, an der Küchenrückwand oder über der Insel. Gibt dem Raum Tiefe und wirkt abends angenehm.

Alle drei Lichtebenen sollten getrennt schaltbar und dimmbar sein. Das erfordert im Rohbau entsprechend viele Leitungen – mindestens zwei bis drei separate Lichtkreise für die Küche.

Wo müssen Leitungen im Rohbau sitzen?

Die Deckenauslässe für Einbaustrahler werden nach dem endgültigen Küchenplan gesetzt. Typische Positionen:

  • Über der Arbeitsfläche: Strahler mit 30–40 cm Abstand zur Wand, damit Licht auf die Fläche fällt und nicht auf den Rücken
  • Über dem Esstisch oder der Insel: Ein Deckenauslass mittig, für eine Pendelleuchte (Position exakt nach Tischmaß)
  • Über dem Herd: Wenn keine Haube eigenes Licht mitbringt, ein separater Deckenstrahler

Für Unterbaulichter unter Hängeschränken wird eine Zuleitung in der Wand hinter den Oberschränken geführt – idealerweise auf der Rückseite der Hängeschrankzone, verdeckt hinter den Blenden. Diese Leitung wird beim Einbau der Küche vom Elektriker angeschlossen.

Schalterposition und Smart-Home-Vorbereitung

Schalter sollten beim Kücheneintritt sitzen, nicht versteckt hinter geöffneten Türen. Wenn Smart-Home geplant ist, werden statt Schaltern Bus-Taster oder Funkempfänger gesetzt – dafür müssen die Unterputzdosen in der richtigen Größe vorbereitet sein. Wer heute noch kein Smart-Home plant, sollte zumindest Leerrohre legen, um die Option offenzuhalten.

Heizung und Lüftung in der Küche: Oft vergessen, immer wichtig

Die Küche erzeugt Wärme, Feuchtigkeit und Gerüche – mehr als jeder andere Wohnraum. Trotzdem wird sie bei der Heizungs- und Lüftungsplanung oft stiefmütterlich behandelt.

Im Neubau mit kontrollierter Wohnraumlüftung (KWL) ist die Küche in der Regel an das Abluft-System angebunden. Wichtig: Das KWL-Abluftventil und der Dunstabzugskanal sind zwei verschiedene Systeme und dürfen nicht zusammengeführt werden. Das KWL-System läuft kontinuierlich und leise; die Dunstabzugshaube arbeitet kurzzeitig mit hoher Leistung. Beide brauchen eigene Kanäle.

Für die Heizung gilt: Ein Heizkörper oder eine Fußbodenheizungszone in der Küche ist besonders bei großen, offenen Grundrissen wichtig, wo die Kochstelle nicht den gesamten Raum erwärmen kann. Die Positionierung des Heizkörpers muss so geplant werden, dass er nicht hinter Küchenmöbeln verschwindet – ein Fehler, der in der Praxis erschreckend oft vorkommt.

Was kostet eine vollständige Kücheninstallation im Neubau?

Pauschale Preisangaben sind in der Haustechnik schwierig, weil sie stark von regionalen Handwerkerpreisen, dem Ausstattungsgrad und der Hausgeometrie abhängen. Dennoch lassen sich grobe Richtwerte nennen, um die Budgetplanung zu strukturieren:

  • Elektroinstallation Küche (Leitungen, Verteilung, Steckdosen, Licht): oft im Bereich von 2.000 bis 5.000 Euro je nach Umfang
  • Sanitärinstallation (Spüle, Spülmaschine, Sonderlösungen): in der Regel 1.500 bis 3.500 Euro
  • Abluftkanal mit Mauerwerk und Wanddurchbruch: 500 bis 1.500 Euro je nach Wandmaterial und Länge
  • Lichtplanung und Dimmersteuerung: variiert stark, ab ca. 500 Euro für einfache Lösungen

Diese Kosten entstehen einmalig während des Rohbaus zu vergleichsweise niedrigen Kosten. Dieselben Arbeiten nachträglich am Fertigbau durchzuführen, kostet erfahrungsgemäß das Zwei- bis Dreifache – inklusive Wiederherstellung von Putz, Fliesen und Malerarbeiten.

Fazit: Die Küche entsteht zweimal – einmal auf dem Papier

Alle Entscheidungen, die im Rohbau richtig getroffen werden, zahlen sich über die gesamte Nutzungsdauer der Küche aus. Strom, Wasser und Licht lassen sich nicht einfach ummontieren wie ein Möbelstück. Wer im Neubau sorgfältig plant, bekommt eine Küche, die technisch auf dem neuesten Stand ist, komfortabel zu bedienen und im Alltag reibungslos funktioniert.

Der wichtigste Rat: Legen Sie die genauen Positionen aller Anschlüsse fest, bevor die Handwerker beginnen – und halten Sie alles schriftlich im Installationsplan fest. Änderungen im Rohbau kosten fast nichts. Änderungen im Fertigbau kosten fast alles.