Was ein Systemcontainer ist und was er nicht ist

Zuerst ein hartnäckiger Irrtum: Containergebäude entstehen im professionellen Raumbedarf nicht aus ausrangierten Seefrachtcontainern. Verwendet werden eigens gefertigte Systemcontainer, innerhalb der ALHO Gruppe etwa von FAGSI. Ihre Maße bleiben trotzdem gesetzt: 2,50 oder 3,00 Meter Breite, bis zu 14,64 Meter Länge, gestapelt maximal drei Geschosse. Genau aus dieser Standardisierung zieht der Containerbau seinen Nutzen. Die Einheiten lassen sich kombinieren, demontieren, verladen und an anderer Stelle erneut aufbauen.

Was er nicht kann, sieht man ihm an. Die Rahmenkonstruktion bleibt sichtbar, die Fassade besteht aus Blech, die Fenster sitzen als Lochfenster darin. Die Farbe darf der Bauherr wählen, an der Kubatur ändert sich wenig. Manchen Architekten gefällt genau dieser Industriecharakter, für ein repräsentatives Verwaltungsgebäude ist er selten die erste Wahl.

Sein stärkstes Argument steht ohnehin im Mietvertrag. Interimsschule während der Sanierung, Baustellenbüro für zwei Jahre, Kita, die eine Lücke bis zum Neubau überbrückt: Nach Vertragsende geht die Anlage zurück, wird im Werk aufbereitet und andernorts wieder montiert. Wer sie behalten will, kauft sie stattdessen.

Was das Raummodul anders macht

Beim modularen Bauen verlässt eine Raumzelle das Werk nahezu fertig, mit Elektrik, Sanitär, Fenstern, Böden und Innenwänden. Der Unterschied zum Container liegt aber nicht in der Vorfertigung, die haben beide gemeinsam, sondern im Raster: Module gibt es in Breiten von 2,625 bis 4,00 Metern, in Längen von 7,75 bis 16,75 Metern und in Höhen von 3,20 bis 3,90 Metern. Das genügt für frei geplante Grundrisse über bis zu sechs Geschosse.

Die Stahlrahmen verschwinden hinter der Fassade, und die ist weitgehend frei wählbar: Putz auf Wärmedämmverbundsystem, Vorhangfassaden aus Aluminium, Holz oder Stahl. Von der Straße aus sieht man einem fertigen Modulgebäude nicht an, wie es entstanden ist.

Bauphysikalisch gelten dieselben Regeln wie im Massivbau, denn das Gebäudeenergiegesetz kennt keinen Rabatt für vorgefertigte Bauteile. Brandschutzklassen von F30 bis F120 lassen sich abbilden, der zweischalige Wand- und Deckenaufbau liefert den Schallschutz, den Klassenräume oder Bettenzimmer brauchen, und weil Wände, Decken und Böden im Trockenbau entstehen, kommt kaum Baufeuchte ins Gebäude.

Woran sich die Entscheidung tatsächlich festmacht

Die erste Frage ist die Nutzungsdauer. Steht der Rückbautermin schon im Kalender, spricht wenig gegen den Container. Soll das Gebäude in zwanzig Jahren noch stehen, wird jede Sparmaßnahme an Dämmung, Fassade und Schallschutz zur Hypothek. Die zweite Frage ist die Höhe: drei Geschosse markieren beim Container das Ende, das Modul geht bis sechs. Die dritte betrifft das Umfeld. Ein Schulcampus mit denkmalgeschütztem Altbau nebenan verträgt keine Blechfassade, ein Betriebshof sehr wohl.

Beim Geld lohnt der Blick über die Anschaffung hinaus. ALHO rechnet die Lebenszykluskosten über 50 Jahre und liegt nach eigenen Analysen bis zu 12 Prozent unter der Standardbauweise. Dieser Vorteil löst sich im Betrieb ein, nicht bei der Schlüsselübergabe. Dazu kommt, was Bauherren in der Praxis oft schwerer wiegt als der Quadratmeterpreis: Termin- und Festpreisgarantie, ein Generalunternehmer als einziger Ansprechpartner und eine Montage, die den laufenden Schulbetrieb nebenan nicht monatelang lahmlegt.

Kurz gesagt

Container, wenn der Zeitraum absehbar ist, die Anlage mobil bleiben soll und die Optik zweitrangig ist. Modul, wenn das Gebäude bleibt, wenn viele gleichartige Einheiten entstehen, also Klassenräume, Bettenstationen, Appartements oder Büroachsen, und wenn es sich später aufstocken, umnutzen oder auf ein bestehendes Flachdach setzen lassen soll.

Wer ehrlich beantwortet, wie lange das Gebäude stehen soll und was danach mit ihm passiert, hat die Bauweise im Grunde bereits gewählt. Raster, Fassade und Brandschutzklasse folgen aus dieser Antwort, nicht umgekehrt.